Kleine Fliegen.
Große Vielfalt.
Ja, ich bin tatsächlich mit einem Netz über eine Feuchtwiese gerannt und habe versucht, fliegende Insekten davon zu überzeugen, kurz darin Platz zu nehmen. Anschließend habe ich stundenlang durch ein Binokular geschaut, um herauszufinden, wer da eigentlich im Netz gelandet war. Die Viecher hatten sich leider nicht mit Namen vorgestellt.
Das war allerdings kein ungewöhnliches Freizeitprogramm, sondern meine Staatsexamensarbeit in Biologie. 1996 untersuchte ich an der Universität zu Köln die Schwebfliegen einer Feuchtwiese bei Stadtkyll in der Eifel. Mein Ziel: etwas Relevantes für den Naturschutz machen.
Universität
zu Köln
Biologie
26. März 1996
Arten
Eine Wiese.
Viele Fragen.
Auf der rund zwei Hektar großen „Dienstwiese“ im Wirfttal kombinierte ich drei Malaisefallen mit begleitenden Handfängen. Die Fallen erledigten einen Teil der Arbeit. Für den Rest war ich mit dem Netz zuständig.
Am Ende standen 142 nachgewiesene Arten auf der Liste: 125 aus den Fallen und 102 aus den Handfängen. 40 Arten fanden sich ausschließlich in den Fallen, 17 ausschließlich im Netz. Offenbar hatten die Schwebfliegen unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sie an einer wissenschaftlichen Untersuchung teilnehmen wollten.
Ich verglich die Standorte, betrachtete die Lebensraumansprüche der Arten und diskutierte, wie gut die Fangmethoden die Vielfalt einer Wiese erfassen. Hinter den vielen Stunden am Binokular stand also eine ernsthafte Frage: Was lässt sich aus solchen Untersuchungen für den Naturschutz lernen?
Vom Fangnetz
zum roten Faden.
Die Arbeit führte mich 1997 zum NABU Rheinland-Pfalz: zunächst als Pressesprecher, dann als Landesgeschäftsführer. Statt Schwebfliegen zu bestimmen, ging es nun darum, Menschen für den Naturschutz zu gewinnen.
Von dort war der Weg zu Marketing und Fundraising nicht mehr weit. Das Netz blieb irgendwann zu Hause. Die Aufgabe, genau hinzuschauen und etwas verständlich zu machen, ist geblieben.
Die Schwebfliegen haben mich danach übrigens nicht weiter beruflich begleitet. Der rote Faden schon.
Die Arbeit
Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae) einer Feuchtwiese bei Stadtkyll (Landkreis Daun)
mit einer Untersuchung zur Effektivität von Malaisefallen
Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für die Lehrämter für die Sekundarstufe II und Sekundarstufe I. Universität zu Köln, Zoologisches Institut, Experimentelle Morphologie. Gutachter: Prof. Dr. Berking.